Laas und sein Marmor: Das weiße Gold des Vinschgaus
Laas, auf 868 m Höhe im Vinschgau gelegen, ist weltweit bekannt für seinen weißen Marmor, der am Jennwand-Massiv oberhalb des Dorfes abgebaut wird. Dieser hochwertige Naturstein – auch „weißes Gold“ genannt – prägt seit Jahrhunderten die Wirtschaft der Region.
Ein uraltes Handwerk: Von der Steinzeit bis heute
Die Gewinnung von Marmor in Laas reicht weit zurück. Schon die Menhir-Statuen von Algund aus der späten Urgeschichte wurden aus Laaser Marmor gefertigt. In früher Zeit bearbeiteten erste Steinmetze herabgestürzte Felsblöcke für religiöse oder alltägliche Zwecke.
Mit der Zeit entwickelte sich die Marmorbearbeitung zu einer kunstvollen Tradition. Heute beherbergt Laas eine renommierte Bildhauerschule, die international hohes Ansehen genießt.
Wie der Marmor transportiert wurde
Bis in die 1930er-Jahre wurden die schweren Marmorblöcke mit hölzernen Schlitten ins Tal gezogen – von Menschenhand und mit Seilen gesichert. Später entstand eine 1.000 Meter lange Schrägseilbahn, die den Abtransport erleichterte und noch heute zu sehen ist.
Besondere Eigenschaften des Laaser Marmors
Was macht diesen Marmor so einzigartig? Sein schimmernd weißer Farbton, die feinen Schattierungen und das Fehlen starker Aderungen. Zudem ist er besonders widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse und Umweltbelastung – ideal für Kunst und Architektur.
Laaser Marmor weltweit
Laaser Marmor wurde in zahlreichen berühmten Bauwerken weltweit verwendet:
- Parlament in Wien – Pallas-Athene-Brunnen
- Buckingham Palace – Victoria-Denkmal
- New York – Heinrich-Heine-Denkmal
Auch in Laas selbst begegnet man dem Marmor auf Schritt und Tritt: Gehsteige, die Pfarrkirche St. Johannes und der Bahnhof sind Zeugen dieser einzigartigen Steintradition – mit großen Marmorblöcken, die wie Kunstwerke ausgestellt sind.
Via Claudia Augusta: Die römische Straße zwischen Adria und Donau
Die Via Claudia Augusta zählt zu den faszinierendsten Römerstraßen Europas. Ab dem Jahr 15 v. Chr. unter dem Kommando von Drusus dem Älteren erbaut, verband sie die Po-Ebene mit der Donauregion und überquerte dabei die Alpen – ein außergewöhnlicher Weg zwischen zwei Welten.
Das Ziel war strategisch: eine sichere Verbindung für Menschen, Waren und Truppen über die Alpenpässe zu schaffen. Die Arbeiten wurden erst unter Kaiser Claudius im Jahr 46–47 n. Chr. abgeschlossen – daher auch der Name der Straße. Archäologische Funde und Überreste erzählen noch heute von ihrer über 2.000-jährigen Geschichte.
Die Geschichte der Via Claudia Augusta
Zwei Meilensteine – einer bei Rabland (bei Meran), der andere in Cesiomaggiore (Belluno) – bezeugen die Bedeutung dieser antiken Verkehrsader bereits zur Römerzeit. Ursprünglich verlief die Straße geradlinig von Trient (Tridentum) nach Augsburg (Augusta Vindelicorum), über Bozen, Meran, den Reschenpass und das Inntal.
Allerdings existieren zwei alternative Theorien zum Ausgangspunkt:
- Eine geht von Ostiglia (Hostilia) über Verona aus.
- Die andere – umstritten, aber reizvoll – nennt Altino (Altinum) als Startpunkt, mit Verlauf über Feltre und die Valsugana bis Trient.
Ein Weg zum Erleben: Zwischen Geschichte, Natur und Genuss
Die Via Claudia Augusta ist mehr als nur eine archäologische Route – sie ist ein lebendiger Kulturweg, geprägt von Festivals, Ausstellungen, Märkten, kulinarischen Erlebnissen und traditionellen Festen entlang der Strecke.
Besonders beliebt ist der Radweg Via Claudia Augusta: ein gemütlicher, gut befahrbarer Weg, der durch reizvolle Täler, historische Orte und einzigartige Berg- und Flusslandschaften führt. Eine ideale Gelegenheit, diesen historischen Brückenschlag zwischen lateinischer und germanischer Welt neu zu entdecken.
Sulden: Ein alpines Juwel zwischen Natur und Wohlbefinden
Klare Luft, reines Wasser, unberührte Landschaften und ein nachhaltiger Lebensstil: Sulden im oberen Vinschgau ist ein wahres Paradies im Herzen des Nationalparks Stilfserjoch. Auf 1.900 Metern Höhe gelegen und mit nur rund 350 Einwohnern, ist dieses Bergdorf ideal für alle, die Erholung inmitten der Natur suchen und Körper wie Geist etwas Gutes tun möchten.
Im Angesicht des Ortlers, im Herzen des Nationalparks
Als „Juwel der Alpen“ bekannt, wird Sulden von den majestätischen Gipfeln des Ortler-Massivs umrahmt, dessen höchster Punkt 3.905 m erreicht. Hier wechseln sich blühende Wiesen, klare Gebirgsbäche und dichte Wälder ab – eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Bis ins 19. Jahrhundert war die Region kaum bekannt, doch 1804 gelang Joseph Pichler die Erstbesteigung des Ortlers. Trotz des Tourismus hat Sulden seinen wilden Charme bewahrt – sein Skigebiet zählt zu den ursprünglichsten Italiens.
Ein natürlich heilsames Mikroklima
Durch seine geschützte Lage – fernab der feuchten Luftströme aus der Poebene – bietet Sulden ein besonders trockenes, reines Klima. Das macht den Ort ideal für Menschen mit Allergien, Asthma oder Hautproblemen.
Ein weiterer Schatz ist das lokale Quellwasser: mineralarm, chlorfrei und besonders hautverträglich, hilft es unter anderem bei Neurodermitis und Hautentzündungen. Selbst das Duschen kann hier wohltuend wirken – und auch Tee oder Kaffee schmecken mit diesem Wasser intensiver und aromatischer.
Nachhaltigkeit als gelebte Praxis
Sulden ist ein Vorbild für ökologisches Handeln. Der Ort deckt seinen Strombedarf nahezu vollständig über ein Wasserkraftwerk, das mit Ortlerwasser gespeist wird. Zusätzlich versorgt eine Biomasseanlage rund 93 % aller Gebäude mit Fernwärme – eine Entscheidung, die Emissionen reduziert und die Luftqualität verbessert.
Bewegung, Natur und Wohlfühlmomente
Ob gemütliche Spaziergänge, anspruchsvolle Wanderungen, Jogging in der Natur oder Touren zu Almhütten – Sulden ist ein Paradies für Aktivurlauber. In der umliegenden Bergwelt wachsen zahlreiche Heilkräuter wie Arnika, Wacholder, Frauenmantel oder Augentrost, die seit Jahrhunderten in der Naturheilkunde geschätzt werden.
Sulden ist weit mehr als ein Urlaubsort: Es ist ein Ort der Regeneration, an dem Klima, Wasser, Energie und Natur harmonisch zusammenspielen – für ein authentisches Wohlfühlerlebnis inmitten der Alpen.
Stilfs: Ein Bergdorf im Herzen des Nationalparks
Stilfs im Vinschgau ist ein kompaktes, malerisches Bergdorf, das sich an einen Hang schmiegt und von der beeindruckenden Natur des Nationalparks Stilfserjoch umgeben ist. Auf 1.310 Metern Höhe gelegen, ist es der perfekte Ausgangspunkt, um unberührte Landschaften zu erkunden, alte Alpentransitrouten zu entdecken und in eine Atmosphäre vergangener Zeiten einzutauchen.
Die Ortsteile von Stilfs
Zur Gemeinde Stilfs gehören auch die Fraktionen Sulden, Trafoi und Gomagoi – drei Orte, die für sich allein schon einen Besuch wert sind. Alle liegen inmitten grandioser Berglandschaft und teilen mit Stilfs eine reiche Geschichte aus alpinem Leben, Alpinismus und naturkundlicher Forschung.

Das legendäre Stilfser Joch
Als einer der höchsten Straßenpässe Europas ist das Stilfser Joch (2.758 m) das Wahrzeichen der Region. Es wurde zwischen 1822 und 1825 auf Anordnung von Kaiser Franz I. von Österreich erbaut, um das Vinschgau mit Mailand zu verbinden. Das Projekt wurde dem bekannten Ingenieur Carlo Donegani anvertraut. In nur drei Jahren vollbrachten hunderte Arbeiter, Ingenieure und Geologen eine bauliche Meisterleistung.
Während des Ersten Weltkriegs war der Pass Schauplatz heftiger Kämpfe, wurde jedoch in der Nachkriegszeit zu einem touristischen Aushängeschild – nicht zuletzt durch die Gründung der ersten Sommerskischule in den 1950er-Jahren am Gletscher durch Giuseppe Pirovano und Giuliana Boerchio.
Ein Paradies für Radfahrer: Der Triumph von Fausto Coppi
Im Sommer verwandelt sich das Stilfser Joch in ein Mekka für Radsportbegeisterte. Die 48 Kehren auf Südtiroler Seite (und ebenso viele auf lombardischer Seite) locken jedes Jahr Radfahrer aus aller Welt. 1953 wurde der Pass erstmals in den Giro d’Italia aufgenommen – jenes Jahr, in dem Fausto Coppi die Etappe für sich entschied und sich damit unsterblich machte. Seither gilt das Stilfser Joch als Inbegriff der epischen Herausforderung.
Stilfs ist weit mehr als ein alpiner Zwischenstopp: Hier verschmelzen Geschichte, Natur und Sport zu einem einzigartigen Erlebnis. Ob atemberaubende Ausblicke, Sommerskifahren oder eine sportliche Herausforderung auf dem Rad – wer Stilfs besucht, nimmt unvergessliche Eindrücke mit nach Hause.
Taufers im Münstertal: Am äußersten Rand Südtirols
Taufers, eingebettet im stillen Münstertal, ist die westlichste Gemeinde Südtirols – direkt an der Grenze zur Schweiz. Mit seinen 964 Einwohnern und auf 1.250 Metern Meereshöhe gelegen, bietet das Dorf alpine Ruhe, unberührte Natur und ein außergewöhnliches spirituelles und kunsthistorisches Erbe. Es ist zudem ein Paradies für Wanderfreunde und Winterurlauber.
Die umliegenden Berge schützen den Ort vor Nordwinden und machen ihn ideal für Langlauf, Rodeln und winterliche Spaziergänge.
Ein heiliges Tal: Acht Kirchen mit wertvollen Fresken
Trotz seiner überschaubaren Größe beherbergt Taufers acht Kirchen, die allesamt reich an Geschichte und sakraler Kunst sind.
- Die Kirche St. Johann (12.–13. Jh.) wurde nach einem Brand 1383 auf einem griechischen Kreuzgrundriss neu errichtet. Sie beherbergt zwei Freskenzyklen: Der erste, romanische, erinnert an byzantinische Mosaike wie in San Marco in Venedig; der zweite, gotische, zeigt dramatisch die Enthauptung Johannes des Täufers.
- Die Kirche St. Nikolaus aus dem 15. Jahrhundert erzählt mit ihren Malereien das Leben des Heiligen in intensiver, symbolischer Bildsprache.
- Die Pfarrkirche St. Blasius, bereits 1201 erwähnt, wurde 1660 im Barockstil umgestaltet – vermutlich durch einen italienischen Künstler. Daneben steht die Kirche St. Michael, 1493 erneut geweiht, mit gut erhaltenen gotischen Fresken.
- Auch die kleineren Kirchen zu St. Martin, St. Antonius, St. Rochus und St. Valentin verdienen einen Besuch – jede mit ihrer eigenen Geschichte, Lage und Architektur.
Verborgene Burgen und mittelalterliche Legenden
Oberhalb von Taufers thronen die Ruinen zweier Burgen: Burg Rotund und Burg Reichenberg.
- Burg Rotund wurde um das Jahr 900 von den Bischöfen von Chur erbaut. Später ging sie an Adelsfamilien wie die Schlandersberg, die von Hendl und schließlich an den Freiherrn von Heydorf.
- Burg Reichenberg war ursprünglich im Besitz des Hochstifts Chur und wurde im 12. Jahrhundert den Herren von Reichenberg übertragen – einer gefürchteten Familie, bekannt für Macht und Unterdrückung.
Heute sind von den Burgen nur noch Ruinen erhalten – doch ein Spaziergang durch die Überreste eröffnet eindrucksvolle Blicke auf das Tal und lässt die Geschichten lebendig werden.
Taufers ist ein verborgenes Juwel, wo kunstvolle Kirchen, mittelalterliche Ruinen und die stille Kraft der Berge eine unverfälschte Südtiroler Atmosphäre schaffen. Wer sakrale Kunst, unberührte Natur und alte Legenden liebt, wird hier fündig.
Graun im Vinschgau: Das Dorf, das aus der Erinnerung auftaucht
Graun im Vinschgau (italienisch Curon Venosta) ist eine Gemeinde der besonderen Art im oberen Vinschgau, weltberühmt für ihren aus dem Wasser ragenden Kirchturm im Reschensee. Auf 2.452 Metern Meereshöhe gelegen, verzaubert dieser Ort mit seiner stillen Kraft – denn hinter der Idylle verbirgt sich eine Geschichte von Verlust und Widerstand.
Zur Gemeinde gehören die Fraktionen Kapron, Melag, Reschen, St. Valentin auf der Haide und Langtaufers. Das wahre Herz von Graun aber schlägt in der Erinnerung an das Vergangene – verkörpert durch den Kirchturm, der heute aus dem Wasser ragt.
Der Reschensee und das Verschwinden des alten Dorfes
Bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg lag das alte Dorf Graun genau dort, wo sich heute der Reschensee erstreckt – ein künstlicher Stausee, der zur Energiegewinnung angelegt wurde. Der Bau des Staudamms und die Verbindung der beiden Seen Reschen und Graun führten zur Überflutung von 163 Häusern und über 500 Hektar Ackerland.
Die lokale Bevölkerung wehrte sich mit Petitionen, Hilferufen und sogar Briefen an den Papst – jedoch vergeblich. Die Bewohner mussten umsiedeln, und das alte Dorf wurde absichtlich geflutet. Einzig der romanische Kirchturm der Kirche St. Katharina aus dem 13. Jahrhundert blieb sichtbar – als stilles, eindrucksvolles Mahnmal.

Ein Symbol des Widerstands: Der Kirchturm im See
Heute ist der versunkene Kirchturm im Reschensee eines der bekanntesten Wahrzeichen Südtirols. Er wurde vor Kurzem restauriert, um ihn vor weiterer Wasserschädigung zu schützen. Der Turm ist das ganze Jahr über sichtbar, doch im Winter entfaltet er seinen besonderen Zauber – dann friert der See zu, und man kann zu Fuß bis zum Turm gelangen.
Einer Legende nach läuten in eisigen Nächten noch immer die Glocken, obwohl diese längst entfernt wurden. Eine Geschichte, die berührt – und Graun zu einem Ort der Erinnerung und der Hoffnung macht.
Graun ist ein Symbol für eine Gemeinschaft, die nie aufgegeben hat. Ein Dorf, das aus den Fluten wiederauferstanden ist und zu einer Ikone Südtirols wurde. Wer diesen Ort besucht, spürt die Kraft der Geschichte und die stille Magie einer einzigartigen Landschaft.
Schluderns: Ein Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben ist
Ein Besuch in Schluderns ist wie eine Reise in eine andere Epoche – mit romantischen Gassen, alten Höfen und gelebten bäuerlichen Traditionen. Dieses charmante Dorf im Vinschgau liegt eingebettet in eine einzigartige Naturlandschaft und wird überragt vom imposanten Ortler-Massiv, das von fast überall sichtbar ist. Hier verschmelzen alpine Landschaft und Kulturerbe zu einem authentischen Erlebnis.
Burgen und Kirchen mit Geschichte
Hoch über Schluderns thront das prächtige Schloss Churburg, erbaut im Jahr 1259 von Heinrich von Montfort aus Chur. Heute ist es im Besitz der Familie Trapp, die es seit Generationen verwaltet. Im Inneren erwarten die Besucher bedeutende Wandmalereien und die weltweit größte private Rüstkammer – ein wahres Highlight für Geschichts- und Waffenliebhaber.
Zu den religiösen Bauten zählen die Pfarrkirche St. Katharina, ein spätgotisches Juwel von 1493 mit romanischem Glockenturm, sowie die Michaelskirche, die Werke des einheimischen Künstlers Christian Greiner beherbergt, bekannt für seine sakrale Bildhauerei.
Ein weiteres Highlight für Geschichtsinteressierte ist das Vintschger Museum, das zwei Dauerausstellungen beherbergt:
- „Urzeitlicher Vinschgau“ mit archäologischen Funden aus der Region;
- „Wasserwosser“, eine Schau über die traditionellen Waalwege und das historische Bewässerungssystem der Bauern.
Das Biotop: Ein Refugium der Artenvielfalt
Naturliebhaber finden im Biotop von Schluderns ein wahres Paradies: ein Schutzgebiet mit seltenen und geschützten Tier- und Pflanzenarten, eingebettet in einen Auwald aus Schwarz- und Grau-Erlen. Die Wege rundherum eignen sich ideal für entspannte Spaziergänge inmitten alpiner Flora und einer sich ständig wandelnden Landschaft.
Schluderns lädt dazu ein, das Tempo zu drosseln und die Schönheit des Ursprünglichen neu zu entdecken – zwischen mächtigen Bergen, märchenhaften Burgen und einer Atmosphäre wie aus einer anderen Zeit. Ein unverzichtbares Ziel im Herzen des Vinschgaus.


Glurns: Die befestigte Stadt im Vinschgau
Glurns, mit rund 900 Einwohnern, ist ein echtes Juwel im Herzen des Vinschgaus – und gilt als kleinste Stadt Italiens. Die vollständig erhaltene Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert, die Wehrtürme, mittelalterlichen Lauben und stattlichen Bürgerhäuser machen Glurns zu einem Freilichtmuseum. Kein Wunder, dass es zu den „Schönsten Dörfern Italiens“ zählt.

Eine ruhmreiche und umkämpfte Vergangenheit
Erstmals 1163 urkundlich erwähnt, wurde Glurns mehrfach zerstört, bis Kaiser Maximilian I. von Habsburg schließlich den Bau der Stadtmauer anordnete, die bis heute das Stadtbild prägt. Die Stadt entwickelte sich zu einem bedeutenden Handelszentrum, da hier Salz aus Tirol in Richtung Schweiz transportiert wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Glurns 1919 Italien angegliedert.
In der Zeit des Faschismus veränderte sich die Region stark: Zwischen Mals und Glurns ist noch heute der sogenannte Alpenwall zu sehen – ein militärisches Befestigungssystem, das Mussolini errichten ließ, um sich gegen einen möglichen Angriff Nazi-Deutschlands zu schützen. Eine der eindrucksvollsten Zeugnisse ist der Bunker Nr. 20 bei der Etschquelle, der im Sommer besichtigt werden kann.

Laubengänge, gotische Fassaden und Kühe im Zentrum
Besonders charakteristisch sind die Lauben von Glurns, die auf das 13. Jahrhundert zurückgehen. Durch mehrere Überschwemmungen hob sich im Lauf der Zeit das Bodenniveau, sodass ein Teil der Lauben heute tiefer liegt. Beim Spaziergang entdeckt man freskierte Häuser, gotische Fassaden und versteckte Innenhöfe.
Ein kurioses Detail? Es ist nicht ungewöhnlich, im Ortskern einer Kuh zu begegnen – ein Zeichen für die starke Verbundenheit Glurns’ mit der Landwirtschaft. Hier lebt die bäuerliche Tradition noch im Einklang mit dem modernen Alltag.

Kirchen und Architektur zum Entdecken
Zu den bedeutendsten Sakralbauten zählen die Pfarrkirche St. Pankratius mit gotischen und barocken Elementen sowie die ältere Kirche St. Jakob in Söles etwas außerhalb des Zentrums. Beide lohnen einen Besuch und zeigen die spirituelle Seite dieser geschichtsträchtigen Stadt.
Glurns ist ein zeitloses Kleinod, in dem jede Gasse eine Geschichte erzählt und jeder Blickwinkel begeistert. Ein Ort, den man langsam entdecken sollte – am besten bei einem Aufenthalt in einem der historischen Häuser. Für eine authentische Reise ins Südtirol vergangener Zeiten.
Laas: Das weiße Herz des Vinschgaus
Auf 868 m Meereshöhe liegt Laas, ein charmanter Ort im Vinschgau, der international für seinen reinen weißen Marmor bekannt ist. Dieser wird am Jennwand-Massiv abgebaut und gilt als einer der hochwertigsten Natursteine weltweit – widerstandsfähig, leuchtend und ideal für die Bildhauerei. Kein Wunder also, dass Werke aus Laaser Marmor heute Städte wie Berlin, London oder New York zieren.
Fraktionen zwischen Natur und Tradition
Zum Gemeindegebiet gehören die Fraktionen Oris, Tschengls, Allitz, Tanas, Tarnell und Parnetz – kleine Dörfer, in denen die Zeit langsamer zu vergehen scheint. Hier ist das Leben eng mit der Landwirtschaft und dem traditionellen Handwerk verbunden. Besonders beliebt sind die Vinschger Marillen, die auf den trockenen, sonnigen Hängen heranreifen und durch ihren intensiven, süßen Geschmack überzeugen.
Vielfältige Landschaften und Wanderwege für alle Jahreszeiten
Laas begeistert mit einer abwechslungsreichen Landschaft: Im Norden dominieren trockene, sonnige Hänge mit Obstgärten, während im Süden üppige Wälder zu erholsamen Spaziergängen einladen.
Der Sonnenberg, der über dem Ort thront, eignet sich ideal für aussichtsreiche Wanderungen und bietet spektakuläre Ausblicke auf alpine Flora und das Tal. Die Wanderwege sind ganzjährig begehbar, was Laas zu einem perfekten Ziel für sanften Tourismus macht.
Marmor überall: Von der Kirche bis zum Gehsteig
Wer durch Laas spaziert, erkennt sofort, dass Marmor hier nicht nur ein Exportgut ist, sondern fest zur Identität des Dorfes gehört. Von der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer bis zu Hausfassaden und Gehwegen – das strahlende Weiß dieses Steins verleiht dem Ortsbild eine ganz besondere Note.
Eine kleine Anekdote: Die Büste von Kaiser Franz Joseph, die sich heute in der Nähe der Bank befindet, wurde im Zweiten Weltkrieg zum Schutz in einem Stall versteckt. Über fünfzig Jahre lang vergessen, wurde sie schließlich wiederentdeckt und an ihren heutigen Platz zurückgebracht – ein Stück Geschichte, das in Laas allgegenwärtig ist.
Laas erwartet seine Gäste mit seinen Marmormassiven, der Ruhe seiner Wanderwege und der herzlichen Gastfreundschaft seiner Bewohner:innen. Ein kleines Juwel im Vinschgau – gemacht für eine Reise im langsamen Tempo.
Castelbell-Tschars: Wo Geschichte und Natur sich begegnen
Auf 600 m Meereshöhe, im Herzen des unteren Vinschgaus, liegt die Gemeinde Castelbell-Tschars – ein kleines Juwel, umgeben von mediterranen Landschaften und duftenden alpinen Wäldern. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über mehr als 5.300 Hektar und umfasst die Fraktionen Marenberg, Tomberg, Juval, Latschinig, Freiberg, Trumsberg und Marein.
Die Vegetation ist außergewöhnlich vielfältig: Weinberge, Kastanien, Feigen, Zypressen und die berühmten Alpenrosen prägen das Landschaftsbild und machen die Region zu einem beliebten Ziel für Wandernde und Naturfreund:innen.
Zwei Hänge, zwei Gesichter: Nörderberg und Sonnenberg
Castelbell liegt an einer einzigartigen Stelle zwischen zwei kontrastreichen Berghängen: Auf der einen Seite der schattige Nörderberg mit seinen dichten Wäldern, auf der anderen der Sonnenberg mit seiner sonnigen Lage und der reichen Flora. Dieses Spannungsfeld verleiht dem Ort ein mildes Klima, ideal für den Anbau von Äpfeln, Weintrauben und Vinschger Spargel – allesamt hochgeschätzte Produkte der Region.
Burgen zwischen Felsen und Legenden
Die mittelalterliche Vergangenheit von Castelbell-Tschars lebt bis heute in Burgen und Schlössern fort. Von den fünf Burgen auf dem Gemeindegebiet sind zwei für die Öffentlichkeit zugänglich:
- Schloss Kastelbell, erbaut im Jahr 1180, thront auf einem Felsen über der Etsch und markiert den Übergang von der engen Latschander-Schlucht ins Talbecken. Heute finden dort Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen statt.
- Schloss Juval, errichtet 1278, liegt auf einem Hügel in einem Schutzgebiet und ist heute Sommerresidenz von Reinhold Messner sowie Teil des Messner Mountain Museum. Es ist nur zu Fuß oder mit dem Shuttle erreichbar – eingebettet in eine stille, mystische Landschaft.
Spaziergänge entlang der Waale
Ein besonders reizvolles Merkmal der Landschaft von Castelbell sind die Waale, alte Bewässerungskanäle, die einst der Landwirtschaft dienten und heute als panoramareiche Wanderwege genutzt werden.
Zu den bekanntesten zählt der Waalweg, der Castelbell mit dem Schnalstal über rund 10 km verbindet – ein entspannter Weg durch Natur und bäuerliche Kulturlandschaft. Diese Kanäle haben eine uralte Geschichte: Sie wurden errichtet, um das Schmelzwasser der Gletscher nutzbar zu machen – in einem Tal, das nur wenig Niederschlag erhält, war das überlebensnotwendig.
Im Jahr 1939 zählte man 225 Waale mit einer Gesamtlänge von 600 km. Viele wurden inzwischen durch moderne Systeme ersetzt, doch einige sind bis heute erhalten geblieben und schlängeln sich als grüne Wasserfäden durch die Vinschger Landschaft.
Castelbell-Tschars ist ein ideales Ziel für alle, die Authentizität, Ruhe und landschaftliche Schönheit suchen. Ein Ort, an dem Burgen von alten Zeiten erzählen, Waale den Weg zwischen den Reben weisen und die Natur jede Wanderung mit unvergesslichen Farben und Düften begleitet.