Die Pfarrkirche zum Hl. Johannes in Gais ist eines der würdigsten Zeichen romanischer Baukunst im Pustertal. Im mittelalterlichen Pflegerhaus wohnte 1425 ein ganz besonderer Pfleger: Oswald von Wolkenstein. Im 2. Weltkrieg hielt sich hier noch ein Dichter auf: Ezra Pound, der hier ein Refugium fand. Sachsens Könige promenierten hier, Napoleon hielt hier Rast, hier schmiedete Hermann von Gilm seine Verse. Eine Gegend, in der Brauchtum und Religion noch eng verknotet sind und Heimatliebe großgeschrieben wird. Am Allerseelentag gehen die Pitschelesinger um, Prozessionen sind an der Sonntagsordnung und wenn in Mühlen der Kirchtagsmichl auf dem langen Stamm hängt, dann steht das Dorf Kopf, drei Tage lang. Mit vielen Festgästen und bunten Musikkapellen.
Welsberg und Taisten
Hier ließen sich die Menschen schon früher gerne nieder. Man fand bronze- und hallstattzeitliche Wallburgen, dort wo heute das Klarissenkloster steht. Und genau dort errichteten auch die Römer ihr Kastell, mit einer Siedlung zu dessen Füßen. An sie erinnert heute noch der Römerweg, der bis nach Toblach führt. 1140 dann baute Ritter Welfo seine Burg, die älteste des Oberpustertales. Ein Brand zerstörte manche Teile, heute aber, liebevoll restauriert, ist sie für Besucher wieder offen und großartiger Platz für viele Veranstaltungen. Fruchtbarer Boden war hier für viele Künstler. Paul Troger (1698 -1762), bedeutender Barockmaler des süddeutschen Raumes hat hier gelebt und Simon von Taisten (ca. 1460-1530), der eigentlich Simon Marenkl hieß und Freskomaler war. Später, um die Jahrhundertwende, weilte in Welsberg die Künstlerprominenz, Hugo von Hoffmannsthal und Arthur Schnitzler, die 1907 beide hier auf Urlaub waren Hoffmannsthal war tief beeindruckt, und schuf vor einem Bildstock sein Gedicht, Vor Tag.
Gsiesertal
Das Gsiesertal ist eines jener Täler, die vieles von der Romantik des Bauerntums ins 20. Jahrhundert gerettet haben. Hier, wo die Welt noch immer bäuerlich ist, die letzten Höfe auf 1570 m liegen und die Landwirtschaft überlebenswichtig ist, wird besonders viel auf Tradition gehalten. Wen wundert es dann, wenn das einzige Denkmal im Tale dem streitbaren Gsieser Kapuzinerpater Joachim Haspinger gewidmet ist, der - zusammen mit Andreas Hofer - in den Tiroler Freiheitskämpfen von 1809 den Sieg gegen Franzosen und Bayern erkämpfte.
Terenten & Pfalzen
In Terenten wurden 4000 Jahre alte Speerspitzen gefunden und Pfalzen, das sich vom lateinischen Wort "palatium" ableitet, war zur Römerzeit eine Burg. Heute ist der Ort ein gepflegtes Wohngebiet, mit typischen Südtiroler Häusern. Unmittelbar dahinter beginnt der Mühlenpfad, der aufzeigt, wie die Bevölkerung früher die Natur zu nutzen wusste. Die Getreidemühlen sind noch funktionsfähig und lassen die Besucher verstehen, wie mühselig es für die Bauern war, für das täglich Brot zu sorgen. Die Umgebung hat eine weitere Besonderheit zu bieten: eine Schlangenfichte zwischen Terenten und Pfalzen, einzigartig in ganz Südtirol.
Rasen - Antholz
Aus der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Besiedlung sind die Ruinen Neu- und Altrasen und der Ansitz Heufler geblieben, um 1242 soll es hier sogar einen Minnesänger gegeben haben, Haward von Antholz. Gleich hier findet sich das Rasner Moos (1100 m), der Kältesee, der als klimatologische Besonderheit gilt.
St.Lorenzen
Zu Urzeiten siedelten hier die Räter. Schon sie hatten erkannt, wie strategisch diese Lage war. 15 vor Christus kamen die Römer, die neuen Herren der Sävaten. Ein Meilenstein, Baureste ihrer Häuser und viele Münzen erinnern noch heute an Sebatum, die römische Militärstation, die bis ins 5. Jahrhundert bestand. Nach der Christianisierung weihte man die Siedlung dem Heiligen Laurentius - der Name überlebte alle Wirren der Jahrhunderte. Ab dem Mittelalter entschieden dann Sonnen- und Michelsburg über Sein oder Nichtsein. Auf beiden Burgen saßen die Gaugrafen von Pustertal und Lurn, hier entschied sich vieles, was bedeutend war für das Pustertal.
St.Vigil in Enneberg
St. Vigil in Enneberg befindet sich im Herzen der weltbekannten Dolomiten in einem Gebiet, in dem sich die ladinische Sprache und Kultur bis auf den heutigen Tag erhalten hat und wo das Ladinische noch Umgangssprache ist. Das Tal wurde in der frühen Bronzezeit von venetoillyrischen Volksstämmen besiedelt. Um das Jahr 15 v. Chr. begannen die Römer mit der Unterwerfung der Räter. In den folgenden Jahrhunderten nahmen die Einheimischen römische Sprache und Sitten an, sie vermischten ihre Sprache mit dem Vulgärlatein. Heute bezeichnet man sie als Rätoromanen, und die damalige Sprache entspricht weitgehend der heutigen ladinischen Sprache, die in den Dolomitentälern, in Graubünden und im Friaul weiterlebt. Anfangs des 15. Jahrhunderts beherrschten die Grafen von Tirol das Gebiet. Das Kloster Sonnenburg errichtete in St. Vigil eine Gerichtsbarkeit für Enneberg und das Gadertal. Geschichte gemacht hat zur Zeit der Tiroler Freiheitskämpfer (1797) ein Mädchen aus St. Vigil. Die als das "Mädchen von Spinges" bekannte Katharina Lanz hat an der Friedhofsmauer von Spinges, bewaffnet mit einer Mistgabel und außerordentlichem Mut, die Franzosen zurückgedrängt.